Neue Politiker braucht das Land

Da ist der Freiherr gerade von unverdrossenen Plagiatsjägern im Internet zur Strecke gebracht worden und man sollte meinen, alle haben was daraus gelernt. Pustekuchen. Auf den Geschmack gekommen, hat die fröhliche Jagdtruppe auf der Wiki-Plattform „Vroniplag“ zum munteren Halali auf die Stoiber-Tochter Veronica Saß geblasen und sich dabei gleich noch einige weitere promovierte Politprommis vorgenommen. Im Moment ist gerade die europäische Vorzeigeliberale Silvana Koch-Mehrin mit geschätzten 25% Plagiatsanteil auf den vorderen Rängen anzutreffen. Wer nun denkt, sie hätte am Beispiel zu Guttenbergs gelernt, dass frühes Reagieren und ofensiver Umgang mit der Situation – vielleicht auch das Eingeständnis eines fehlerhaften Verhaltens – eine bessere Taktik sein könnte, als trotziges Stillschweigen mit anschließenden Teilgeständnissen von ohnehin Bewiesenem, reibt sich verwundert die Augen: Fehlanzeige. Schade eigentlich; nach Guttenberg eine weitere Figur auf der politischen Bühne, die ich eigentlich mögen wollte. Anders, frischer, weniger verkleistert als die ganzen anderen mühsamen Figuren des öffentlichen Scheins, die Luftpumpen, Dickbacken und Wendehälse, die nur eins gemeinsam haben: das Klammern an einer Macht, mit der sie letztlich nichts vernünftiges anstellen. Was mir als Hoffnung bleibt, sind die Röslers, Lindners, Röttgens, die zumindest bis jetzt noch den Anschein des Andersseins aufrechterhalten können. Und die Altvorderen Heiner Geissler und Olaf Scholz, jeder für sich ein ganz eigenes Stück unaufgeregter Authentizität, für das ich dankbar bin. Ach ja, und dann ist da noch der Kollege Kretschmann aus Baden-Württemberg, der in so gar keine Schublade passt. Da bin ich echt gespannt. Und hoffe inständig, dass es bald mehr werden als ein bis zwei Figuren pro Partei. Das reicht nämlich für den dringend nötigen und vielbeschworenen Politikwechsel nicht.