Teilen statt Mitteilen – Kommunikation im Wandel

Paul Watzlawick hat gesagt: Die Nachricht entsteht beim Empfänger. Das ist an sich nicht neu und gilt auf der Ebene des Dialogs gestern wie heute und sicherlich auch noch morgen. Angesichts der durch die moderne Komunikationstechnologie praktisch unendlich großen Menge gleichzeitig verfügbarer Informationen über unendlich viele Themen, Produkte und Innovationen in einem unendlich vielkanaligen Kontext bekommt dieser Satz allerding eine besondere Relevanz: Der Empfänger muss radikal selektieren, um handlungsfähig zu bleiben. Und für diese Selektion nutzt er Filter.Die klassische Mechanik zwischen Sender und Empfänger, die institutionelles und unternehmerisches Kommunikationsverhalten über Generationen hinweg geprägt hat, ist durch web 2.0 dabei, sich grundlegend zu verändern. Eindirektionale Botschaften, absenderbezogen und dem Charakter nach appellierend, treffen zunehmend auf Ignoranz oder sogar offene Ablehnung. Und das völlig unabhängig von Qualität, Inhalt und Kontext.

Stattdessen entwickelt sich ein Netzwerk des Austauschs und der Bewertung unter Gleichen – Kommunikation auf Augenhöhe. Sharing ist das kommunikative Maß der Dinge. Informationen, Erfahrungen und Wahrnehmungen werden zur Verfügung gestellt, (gepostet), diskutiert und bewertet; ein komplexer kollektiver Wahrnehmungsprozess ergänzt und ersetzt nach und nach die zentralistische, gesteuerte Organisation von Informationsströmen.

Die Orte, an denen Kommunikation, Austausch und Meinungsbildungsprozesse stattfinden, sind nicht mehr irgendwelche Macht- und Schaltzentralen in Organisationen, sondern Plattformen, die für alle offen und zugänglich sind und jederzeit jedem, der mag, die Möglichkeit der aktiven Teilnahme am Prozess ermöglichen.

Diese Entwicklung ist einer der Megatrends des beginnenden Jahrzehnts und steht noch am Anfang. Aber sie stellt uns alle vor eine ganz neue Qualität von Herausforderung: Transparenz, Authentizität, Gegenwärtigkeit und die Bereitschaft, die Kontrolle aufzugeben, werden Kardinaltugenden zukünftigen Erfolgs sein. Da liegt noch ein gutes Stück Weg vor uns