Von Problemen und Lösungen

Wir kennen das Gefühl alle: Da ist ein Problem und wir wissen genau, da müssen wir ran. Wir analysieren, schieben auf, denken noch ein bißchen weiter darüber nach. Wir stellen fest, das Problem ist erstens hartnäckig und zweitens nicht allein. Es hat quasi Familie: Eltern, Geschwister, Kinder. Als wir unser Problem entdeckt hatten, war es relativ überschaubar, inzwischen hat es ordentlich an Bedeutung zugelegt und bei genauer Betrachtung hat die ganze Problemfamilie durchaus das Zeug zu einer existenziellen Bedrohung. Und es kostet uns inzwischen auch eine Menge Zeit, raubt uns Energie, zieht uns runter. Jeder Lösungsansatz steht unter dem Anfangsverdacht, mindestens ein neues Problem mehr aufzuwerfen, als alte zu lösen. Na toll! Dabei wollten wir doch nur… was nochmal genau? Oha. Das ursprüngliche Problem scheint irgendwie abhanden gekommen zu sein, aber insgesamt geht es uns deutlich schlechter als vorher. Und Besserung ist weit und breit nicht in Sicht – eher scheint es, als ob die Problemfamilie sich unkontrolliert vermehrt. Lösungen: Fehlanzeige! Was ist da los? Steve de Shazer, systemischer Therapeut und NLP-Kapazität aus den USA hat einmal gesagt: „The Solution has nothing to do with the Problem“. Blödsinn, denken wir. Wirklich? Fakt ist, dass de Shazers Therapieansatz tatsächlich unabhängig vom Problem des Patienten funktioniert – und das zuverlässig. Das Prinzip dahinter ist eine strikte Ressourcenorientierung. Die Hypothese dazu lautet: Lösungen kommen immer aus den Möglichkeiten, die bei uns liegen, über die wir bereits verfügen. Wenn es uns gelingt, unsere Aufmerksamkeit auf diese Ressourcen zu lenken, passieren zwei Dinge: Wir stellen fest, dass es ziemlich viel gibt, was wir ziemlich gut können. Und das Zutrauen in unsere eigene Kompetenz, mit dem, was nicht gut läuft, klarzukommen, wächst. Und plötzlich sind wir in der Lage, unseren Blick zu verändern, Prioritäten neu zu setzen, neue, vielleicht überraschende Ansätze zu finden. Dabei haben wir das gute Gefühl, wieder mehr bei uns zu sein, das zu tun, was wir gut können. Eigentlich zeimlich logisch. Was war noch mal das Problem?