Führungskräfte. Entwicklung?

Führungskräfte müssen sich (weiter-)entwickeln. Darüber herrscht weitgehend Einigkeit. Es gibt sogar professionelle Führungskräfteentwickler, sozusagen Spezialisten für das Entwickeln von Führungskräften. Anders gesagt: Viele Führungskräfte delegieren die Aufgabe, sich zu entwickeln, an Dritte, die dafür Experten sind. Sie lassen sich sozusagen entwickeln. Und ihre Mitarbeiter am besten gleich mit. Aha. Dann ist ja alles in besten Händen.
Oder ist da vielleicht doch ein Haken an der Sache? 

Menschen entwickeln sich – sie tun das ganz von allein, aufgrund Ihrer Sozialisation, Bildung und des kulturellen Kontextes, in dem sie sich befinden. Sie entwickeln sich sozusagen entlang ihrer Erfahrungen, die sie im Lauf ihres Lebens machen und diese Erfahrungen haben die Tendenz, sich irgendwann selbst zu bestätigen, weil unser Hirn die Aufmerksamkeitsfilter unserer Wahrnehmung so justiert, dass nur das durchkommt, was wir schon kennen. Das ist zwar bequem, aber nicht ganz ungefährlich. Vor allem dann, wenn wir vor neuen, uns bisher unbekannten Aufgaben und Herausforderungen stehen, die wir mit den eingeübten und probaten Lösungsmustern nicht mehr bewältigen können.

Die einzige Chance, die es uns ermöglicht, etwas dazu zu lernen, ist, neue, andere Erfahrungen zu machen. Damit vorhandene Glaubenssätze ausgehebelt werden und Platz für neues entsteht (muss ja nicht gleich wieder ein Glaubenssatz sein)

Was heißt das jetzt für Führungskräfteentwicklung?
Mal angenommen, der Erfahrungshorizont und die damit einhergehenden Handlungsoptionen einer Führungskraft sind im eben beschriebenen Sinne eingeschränkt. Die mentalen Modelle und Glaubenssätze führen letztlich immer wieder zu den gleichen Reaktions- und Verhaltensmustern. Der Verstand sagt „es braucht Veränderung“ und das limbische System (da sitzen die Glaubenssätze) sagt „bloß nicht – das haben wir doch immer so gemacht; wir müssen nur noch besser werden“.

Beispiel gefällig:
Die Glaubenssätze lauten: Eine Organisation ist so etwas ähnliches wie eine Maschine und führen ist ein Synonym für steuern. Dafür braucht es exakte Pläne, detailliert beschriebene Prozesse. Und Mitarbeiter, scheuen Verantwortung, wollen gesagt bekommen, was sie zu tun haben und müssen kontrolliert werden.
Die Aufgabe ist: Dafür zu sorgen, dass Mitarbeiter Verantwortung übernehmen, Einsatz zeigen und selbständig denken und arbeiten. Dass sie ihr Potenzial in die Waagschale werfen und voll motiviert bei der Sache sind. Dass sie innovativ und kreativ sind. Und sich mit ihrer Organisation identifizieren. Ach ja, und die Durchlaufzeiten für Projekte müssten auch dramatisch kürzer sein.
Aha.
Was dann passiert, ist: Aus dem Wunsch nach Veränderung wird der Versuch, bestehendes zu optimieren, angesagte neue Methoden und Modelle auf alte, dysfunktionale Systeme aufzupfropfen und letztlich das neue, das doch eigentlich anders sein müsste, mit immer mehr vom Gleichen herbei zu steuern. Was dabei herauskommt, ist ein – bestenfalls kleiner und kurzer – Erfolgseffekt, wie bei einer Diät, der schnell wieder in sich zusammenfällt, weil sich eben nicht wirklich was geändert hat.

Was also tun?
Hypothese: Führungskräfte sind in Veränderungsprozessen weniger Steuermann als vielmehr Navigator und Expeditionsleiter, die für ihre Mitarbeiter Ermöglicher für neue Erfahrungen sein müssten. Jetzt sind sie aber auch Menschen. Sie unterliegen den gleichen Gesetzmäßigkeiten in Bezug auf mentale Modelle und Glaubenssätze, wie ihre Kollegen und Mitarbeiter.
Heißt: auch sie brauchen neue, andere Erfahrungen mit Führung, um auf eine den veränderten Rahmenbedingungen angemessene Art wirksam zu sein. Um eine neue Rolle anzunehmen und auszufüllen. Sie brauchen selbst Erfahrungsermöglicher.
Und wo nehmen sie die her?

Das ist jetzt der Moment, wo Führungskräfteentwicklung, richtig verstanden, ins Spiel kommt und einen nützlichen Beitrag leisten kann. Als Begleiter von Führungskräften und Navigator auf dem Weg, neue Erfahrungen mit sich selbst und anderen zu machen – und sich so zu einer neuen Führungskultur hin zu entwickeln.