beziehungsweise

Wenn in Organisationen über „Change“, „New Work“ und „Führung x.0“ nachgedacht wird, taucht das Thema Kommunikation ganz oben mit auf.
„Erfolgreiches Change-Management braucht eine gute Kommunikation“, heißt es zum Beispiel. Oder: „Wir müssen unsere Leute kommunikativ gut abholen, damit der Rollout funktioniert“.
Dabei stellt sich mir immer wieder die Frage: Geht es hierbei wirklich um Kommunikation, oder wird der Begriff nicht eigentlich viel mehr zum Synonym für das attraktive Verpacken fertiger Modelle und detailliert beschriebener Prozesse, die sich wenige ausgedacht haben, um sie dann vielen überzustülpen?

Unter Kommunikation verstehe ich im Kern etwas, das Beziehungen zwischen Menschen herstellt und unterhält. Verbale und non-verbale Interaktion. Eine Auseinandersetzung mit Themen, Werten, Erfahrungen und den damit verbundenen Emotionen. Etwas, das uns in die Lage versetzt, miteinander zu sein und zu tun.

Das heißt dann im Umkehrschluss: Immer dann, wenn etwas nicht funktioniert, gibt es eine Störung auf der Beziehungsebene. Eigentlich eine riesengroße Binse – jeder von uns kann das mit hundertfach gemachten Erfahrungen in seinem Alltag belegen und nachvollziehen.
Gleichzeitig sind diese Erfahrungen in unseren Köpfen irgendwie als „privat“ abgespeichert – das „menschliche“ ist sozusagen privatisiert und von unserem „beruflichen“ Persönlichkeitsteil entkoppelt. Wie sonst erklärt sich das Phänomen, dass sich in den meisten Organisationen das Mantra der Trennung zwischen „beruflich“ und „privat“ so hartnäckig hält?

Meine Hypothese ist, dass jeder Mensch – zumindest im Regelfall – nur einmal existiert und nicht in zwei getrennten  – einer professionellen und einer privaten – Ausführungen.

Was heißt das nun in Bezug  auf die eingangs genannten Begriffe Veränderung, New Work und neue Führung?

Führung wird ohne den Mut, sich auf eine Beziehung zu den Kollegen und „Untergebenen“ einzulassen, diese schwerlich dazu bringen, sich wirklich einzulassen, sich voll einzubringen und ganz ins Boot zu gehen. Genau das wird aber erwartet.

Veränderung wird es ohne echten Einbezug der Beteiligten und Betroffenen schwer haben, über das Stadium eines mehr oder weniger inszenierten Verhaltenstheaters hinaus zu kommen.

Und „New Work“ wird maßgeblich daran zu erkennen sein, dass die, die da miteinander  „worken“, einen gemeisamen Bezugsrahmen, gemeinsame Ziele und Werte haben, in dem sie sich miteinander bewegen.

Genau das aber gelingt nur im Rahmen von Beziehungen. Und dazu braucht es Kommuniaktion.

 

2 Gedanken zu „beziehungsweise

  1. Apropos Beziehungen und Veränderung … „Veränderung“ in Unternehmen bezieht sich darauf, dass Mitarbeiter etwas anderes machen sollen oder etwas anders machen sollen … dass sich das Verhalten der Mitarbeiter verändert. Frage ist, unter welchen Bedingungen Menschen bereit sind ihr Verhalten zu ändern. Antwort: Dann, wenn sie ausreichend häufig die Erfahrung gemacht haben, dass ihnen das neue Verhalten gegenüber dem bisher gezeigten Vorteile bringt … Soweit so gut. Jetzt die Frage unter welchen Bedingungen neue Erfahrungen entstehen … denn: Im Normalbetrieb – man könnte auch Autopilot-Modus – macht unser Gehirn erstmal die Erfahrungen die es braucht, um das zu bestätigen, was schon drin ist im Gehirn … an geronnenen Erfahrungen = Mentalmodellen (Glaubenssätze wäre ein Alternativbegriff). Bedeutet: Ist ein Mensch davon überzeugt, dass Frauen nicht einparken können, wird er immer wieder beobachten, dass dem so ist. Neu auf etwas drauf gucken tun Menschen vor allem, wenn der, der sie zu einer Erfahrung einlädt einer ist, dem sie vertrauen … mit dem sie in einer gefühlt vertrauensvollen Beziehung stehen. Da ist sie wieder die Beziehung … definitiv eine kritische Erfolgsbedingung jeder Veränderungsabsicht.

    • Danke für den ausführlichen Kommentar und die Ergänzungen.
      A propos Glaubenssätze: Dass berufliches und privates strikt zu trennen sei, ist ja auch einer 😉

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