Alle Jahre wieder

Es ist wieder soweit. Weihnachten steht vor der Tür (und zwar vor jeder, die man aufmacht, ob man will oder nicht). Im Radio laufen die gesammelten Tiefpunkte des Schaffens ansonsten von mir sehr respektierter Künstler – Paul Mc Cartney, Bryan Adams, und wie sie alle sonst noch so heißen. Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich wirklich wissen will, wer sich alles hat hinreißen lassen, sämtliche guten Vorsätze seines musikalischen Schaffens in die Tonne zu treten, um endlich auch einen Weihnachtshit zu haben. Da fällt mir auf, wenn man dieses Wort genau liest, sieht man, das da auch der Wortbestandteil shit drinsteckt – interessanter Zufall. Oder doch programmatisch? Egal, ich mache mir Sorgen. Und zwar um mich. Je mehr Bells jingeln, je whiter das Chrtistmas und je penetranter die Triangeln zum Geklapper der Rentierhufe schallen und sich das Ganze dann noch mit dem penetranten, allgegenwärtigen Geruch von Zimt, Lebkuchen und Glühwein vermischt, desto mehr verdichten sich in mir Gewaltfantasien von in Massen gemordeten Rentieren, auf deren gigantischem Grab sich ein mittelgebirgsformatiger Haufen von Schlitten, roten Pappnasen und Glöckchen auftürmt. Drum herum steht eine 5-stellige Armee von Weihnachtsmännern, die sich an den Bärten festhalten. Das Ganze wird dann in glühweinfarbenen Kunstharz gegossen als ewiges Mahnmal des schlechten Geschmacks, als Pilgerort für Ruhesuchende – als ein Ort, wo das akustische Weihnachten für immer verstummt ist.