Bruttonationalglück

Neulich stolperte ich über einen Artikel im Time Magazine. Es ging um das kleine Land Bhutan und seinen GNH (Gross-National-Happiness) Index. Ökonomisch-materiell sozialisiert, wie ich nun mal bin, musste ich erst einmal schmunzeln und dachte so: „Ach ja, die Buddhisten. Irgendwo am Arsch der Welt mag das ja gehen, dass man Glücklichsein als Indikator für den Erfolg einer Nation her nimmt…“ Beim zweiten Nachdenken wurde mir schnell klar, wie bescheuert dieser Gedanke ist.

Worüber reden wir denn im noch jungen Millennium im Zusammenhang mit Wirtschaftsfragen am meisten? Über Burnouts, über Jobzufriedenheit, über Verteilungsgerechtigkeit, das Auseinanderdriften von Arm und Reich zum Beispiel. Über ein überholtes, marodes Bildungssystem mit unglücklichen und gestressten Schülern und Studenten, über Doppelverdienerfamilien und die Folgen für unser Sozialsystem. Über die katastrophalen Umweltfolgen rücksichtslosen Wirtschaftens. Die Reihe ließe sich endlos fortsetzen. Und – dass die bisherige Währung für Erfolg – der GDP bzw. BIP (Gross-Domestic-Product / Bruttoinlandsprodukt) ausgedient hat, ist angesichts von geplatzten Immobilienblasen und einem (beinahe) kollabierten Finanzmarkt auch dem letzten klar geworden. Wenn Massenentlassungen das sicherste Mittel sind, um Kurssteigerungen herbeizuführen, sagt das eine Menge über das Verhältnis zwischen Aktienmärkten und Realwirtschaft.

Ist also vielleicht doch etwas dran an der Idee des kleinen Landes im Himalaya? Ich denke schon. Sogar sehr viel. Vielleicht ist es genau die Art von Paradigmenwechsel, die es braucht, um ein neues Erfolgsmodell zu denken. Eines, das den ganzen Menschen mit all seinen sozialen, wirtschaftlichen, ökologischen und spirituellen Bezügen im Blick hat und wo Erfolg ein Resultat gelungener Vernetzung all dieser Aspekte ist. Klingt kompliziert? Vielleicht. Ich würde eher sagen, komplex. Aber so ist die Welt und nie war das klarer als jetzt. Und – ich habe den Verdacht, dass Zukunft nur erfolgreich gestaltbar sein wird, wenn glückliche (zufriedene) Menschen das Ziel derer sind, die sie gestalten wollen.

Mehr Infos zu Bhutan und dem GNH gibt’s hier: http://www.grossnationalhappiness.com/