Weihnachten – alle Jahre wieder

Auch dieses Jahr werden wir wieder begraben unter einem Berg mehr oder weniger spannender Jahresrückblicke. Alles, was ein Mikrofon halten kann und einen Sendeplatz hat, versucht sich in einer möglichst spektakulären Inszenierung der Highlights des Jahres 2012 – irgendwie erinnert mich das Ganze an den Film „und täglich grüßt das Murmeltier“ – nur dass die Protagonisten wechseln.

Die Themen und die Muster sind immer gleich. Die Heldenverehrung, die Huldigung des Spektakels, ist ungebrochen. Und doch gibt es dazwischen auch Berührendes. Meistens dann, wenn Menschen unfreiwillig oder zumindest unabsichtlich ins Rampenlicht rücken, weil sie mit kleinen Mitteln Großes bewegen oder bewirken. Weil sie einen hohen Preis dafür zahlen. Weil sie nicht um ihrer Selbstinszenierung, sondern um einer Sache willen handeln.

Letztlich sind es diese Menschen – wie zum Beispiel Malala – und die Geschichten dahinter, die uns bewegen und – wie man so schön sagt – „ans Herz gehen“. Warum? Weil sie uns für einen Moment verstehen lassen, dass auch der eigentlich recht- und machtlose, einfache, arme Mensch handlungsfähig ist, etwas bewegen und Veränderung bewirken kann. Wenn er aufsteht. Wenn er spricht. Wenn er für seine Wünsche und Sehnsüchte kämpft, die anderswo längst selbstverständlich sind. Wenn seine Sehnsucht größer ist als seine Angst.

Es sind diese „Helden des Alltags“, die die Hoffnung neu beleben und ihr eine Chance geben, den Zynismus, die Furcht und die Gleichgültigkeit zu überwinden. Die der Welt ihr menschliches Antlitz bewahren. Die mit dem in uns resonieren, was gut und anständig ist.

Was das mit Weihnachten zu tun hat? Ich finde: Alles. Der Kern der Weihnachtsgeschichte ist das schutzlose Kind, das dazu auserkoren ist, die Welt zu retten. Das ohne Pomp und Bohei daherkommt, um diese Mission anzutreten. Das furchtlos gegen die Mächtigen antritt, gegen Gewalt und Unterdrückung. Und das der Idee von Frieden und Versöhnung mit dem konsequenten Verzicht auf eigene Macht eine Kraft und Authentizität verleiht, die uns bis heute fasziniert. Wie sagt der Engel in der Weihnachtsgeschichte – erst zu Maria und dann zu den Hirten: „Fürchtet Euch nicht!“