„Weg von“ oder „Hin zu“ – was treibt uns an?

Vergangenes Wochenende war ich auf dem „Wevent“ von intrinsify.me. Viele interessante Menschen, tolle Sessions zu unterschiedlichen Themen – eine rundum schöne, bereichernde Erfahrung! Ein Thema, dass mich verfolgt, entstand in einer der letzten Sessions zum Thema Veränderung in Organisationen und war eine Arbeitshypothese zur Frage: was erzeugt in Menschen am zuverlässigsten ein Gefühl von Dringlichkeit? Dies davon ausgehend, dass Dringlichkeit eine unabdingbare Vorstufe zum Handeln ist. Die Arbeitshypothese lautete: Dringlichkeit entsteht vor allem dadurch, dass Menschen die Situation, in der sie sich aktuell befinden, als falsch / schlecht / perspektivlos / bedrohlich / bitte einsetzen… empfinden und einen starken Drang entwickeln, davon weg zu kommen.

Anders gesagt: Was uns zum Handeln im Sinne einer Veränderung treibt, ist das Bedürfnis, „weg von“ etwas zu kommen. Nun habe ich von Exupery gelernt, dass es das „hin zu“ ist, dass Menschen antreibt. „Willst Du, dass Menschen ein Schiff bauen, lehre sie die Sehnsucht nach dem Meer“ (frei zitiert). Und ich habe selbst in meiner Arbeit unzählige Male die Erfahrung gemacht, dass Sog und Attraktion nachhaltigere Motivatoren sind als Druck und Angst.

Aber ich kann mir durchaus vorstellen, was mit der Sehnsucht nach dem Meer passiert, wenn alle es auf dem Festland toll finden: Sie wird sich in Grenzen halten und bestenfalls eine „auch ganz netter“ Alternative zum bestehenden Zustand sein. Vielleicht als Urlaubsidee?

Insofern ist sicherlich die Unzufriedenheit mit dem Status Quo ein entscheidender Impuls für Veränderung. Und es macht ganz viel Sinn, sich diese Unzufriedenheit einzugestehen und sie zu benennen. Sie ist dann im besten Sinn das unmissverständliche Signal zum Aufbruch und markiert den Ausgangspunkt eines Weges in ein Anderes, Neues.

Aber dann braucht es ganz schnell eine Idee dazu, was dieses Andere, Neue sein könnte. Wie es sich anfühlt, was es mit uns macht bzw. wir mit ihm, was genau daran besser, schöner, erfolgreicher, sinnvoller ist.

Ich nutze in meiner Arbeit häufig zwei simple Fragen: „Wie wäre es denn gut?“ und „Woran genau werde ich / werden wir erkennen, dass es gut ist?“ Aus den Antworten darauf kann, wenn man sorgfältig arbeitet, ein machtvoller Zukunftsentwurf entstehen, der wie ein Kompass zuverlässig die Richtung der Bewegung angibt. Bei einer Organisation enthält dieser Zukunftsentwurf Elemente aus den Antworten aller Mitglieder und ist damit auch noch ein Produkt der kollektiven Intelligenz des Systems.

Ein solcher Zukunftsentwurf beschreibt das „hin zu“ im Sinne einer gemeinsamen Vorstellung (shared Vision) dessen, was das Neue, Andere sein bzw. werden soll.

Am Anfang steht also die Unzufriedenheit, das „weg von“. Und dann braucht es eine lebendige, plastisch beschriebene Vorstellung von einer „besseren“ Zukunft, ein attraktives „hin zu“.

Wenn beides zusammenkommt bzw. ineinander greift, hat Veränderung eine echte Chance.