Unternehmensnachfolge

Laut DIHK Report vom September dieses Jahres enden 8% aller mittelständischen Unternehmensnachfolgeversuche in einer Liquidation. Wenn ich mir anschaue, wie solche Prozesse in der Regel ablaufen, wundere ich mich nicht. Steuerberater und Juristen, die sich auf dieses Geschäft spezialisiert haben und sicherlich in den meisten Fällen auch das nötige Fachwissen haben, scheitern immer wieder an den handelnden Personen, die sich letztlich nicht einigen können oder in wichtigen inhaltlichen Fragen aneinander vorbei reden. Die das beste wollen, dann aber doch sich in verhärteten Fronten verrennen und letztlich frustriert aufgeben. Oder aber einen jahrelangen Machtkampf austragen, der nicht selten verheerende Folgen bei den beteiligten Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten zeitigt. Oder einen willkürlich gesetzten harten Übergang hinlegen, der in hohem Maße verstörend und irritierend für alle Systembeteiligten ist, weil ihnen keine Zeit bleibt, sich auf Neues einzustellen und einzulassen.
Unternehmensnachfolge ist eben nicht nur eine Frage von steuerrechtlichen Konstruktionen und juristischen Regelungen, sondern zuallererst und in hohem Maße ein Prozess der Veränderung. Jeder Nachfolger – egal ob Käufer oder Familienmitglied der nächsten Generation – hat (hoffentlich!) eigene Ideen und Vorstellungen davon, wie das Unternehmen weitergeführt werden soll, um erfolgreich im Markt zu agieren. Und jeder Senior hängt mit allem Herzblut an seinem Lebenswerk, das meistens stark von seiner Persönlichkeit und Präsenz geprägt ist. Diese Kultur ist es, die  sich im Prozess des Übergangs immer verändert, ja, verändern muss, damit ein neues stimmiges Ganzes entstehen kann.
Und genau dieser Kulturwandel ist es, der ohne ein bewußtes „Sich-Einlassen“ der Beteiligten nicht stattfinden kann, weil er nun mal nicht von alleine entsteht. Deshalb bin ich überzeugt, dass die übliche Vorgehensweise bei solchen Prozessen vom Kopf auf die Füsse gestellt werden muss: Am Anfang muss eine behutsame, aber zielführende Moderation bzw. Begleitung stehen, die auf der Ebene der Kommunikation dafür sorgt, dass Konflikte nicht zugedeckt, sondern adressiert und geklärt werden, dass klare Perspektiven geschaffen werden und konkrete Verabredungen zwischen den Parteien entstehen. Erst dann können Juristen und Steuerberater ihren notwendigen Beitrag leisten und mit ihrer Expertise wirklichen Nutzen stiften.

Hier noch zwei Videos von mir zum Thema: