Occupy

Wie sagte der von mir hochgeschätzte Herr Gauck neulich noch gleich?
Die Occupy Bewegung sei eine Bewegung von unglaublicher Albernheit. Aha. Lieber Herr Gauck. Kann es sein, dass Sie hier etwas wichtiges übersehen haben? Sicherlich kann man darüber streiten, ob dieser unsortierte, über den ganzen Globus verstreute Haufen inhaltlich substantielles oder gar konsistentes zu bieten hat. Und sicherlich ist das, was da auf den verschiedenen Transparenten steht, als politisches Programm oder als Konzept zur Lösung von Problemen untauglich.
Aber, und da wundert mich Ihr Urteil – ist es deswegen automatisch „albern“? Ist eine Bewegung nur dann seriös, wenn sie sich vorher auf ein Programm geeignet hat oder über genügend Expertentum über das Thema verfügt, das sie hervorgebracht hat? Ich glaube, nein. Und ich glaube, dass das am eigentlichen Phänomen vorbeigeht, das wir hier wahrnehmen: Die Leute haben es satt, ohnmächtige Marionetten in einem System zu sein, das nach eigenen Gesetzen funktioniert, sich ihrem Einfluss völlig entzogen hat und gleichwohl ihre alltägliche Existenz bedroht. Ich zumindest kann die Wut und den Protest nachvollziehen – auch ohne fertig ausgearbeitete Alternativen. Wir müssen lernen zu verstehen, dass das Phänomen des Aufbegehrens gegen „alternativlose“ Mißstände gerade dabei ist, zu einer glpobalen Bewegung zu entwicjkeln, die sich auf vielfältige Weise Gehör verschafft. Occupy ist nur ein Teil dieser Bewegung. Und diese Bewegung wird bleiben und wachsen.