Speed-Networking

Netzwerkveranstaltungen sind eine dröge Angelegenheit. Meistens zumindest. Man geht, wenn man hingeht, am besten zu mehreren oder verabredet sich mit Bekannten, denn nichts ist schlimmer, als auf einem Netzwerkevent allein zu sein. Dann gibt es nämlich nur zwei Optionen: Entweder man macht sich zum Affen, in dem man ständig Leute anquatscht, oder man steht in der Ecke und trinkt sich die Veranstaltung schön. Auch die Variante, sich einer Gruppe anzuschließen und scheinbar eloquente Gesprächsbeiträge einfließen zu lassen, funktioniert eher selten. Eigentlich funktionieren diese Veranstaltungen so, dass die, die sich immer schon kannten, gemeinsam ankommen, den Abend miteinander verbringen – dabei hie und da huldvoll in die Runde grüßen – und dann letztlich auch wieder gemeinsam gehen. Was letztlich genau das Gegenteil von dem eigentlichen Zweck der Veranstaltung ist, nämlich neue Leute kennen zu lernen. Wenn man Glück hat, kennt man jemanden, der ganz viele kennt und als Event-Spin-Doctor dafür sorgt, dass einem diese Menschen wenigstens die Hand schütteln und artig behaupten, sich zu freuen, einen kennen zu lernen. Aber auch da geht nicht wirklich viel vorwärts. Irgendein schlauer Mensch hat deshalb – weil wir ja eigentlich schon neugierig sind und gerne wüßten, wer die alle sind, die wir da nicht kennen – das Speed-Networking erfunden. Und das geht so: Alle an einen Tisch. Immer zwei gegenüber, 90 Sekunden gegenseitiger Vorstellung und weiter geht’s im Prinzip wie bei der Reise nach Jerusalem, nur dass immer genügend Stühle da sind. Menschen mit Tiefgang – so wie ich – tendieren dazu, sowas affig und oberflächlich zu finden. Aber es funktioniert. Und zwar richtig gut. Erstens gibt es den Beteiligten ein klares Regelwerk und die Erlaubnis, sich gegenseitig anzusprechen. Zweitens zwingt es zur Kürze (was für mich eine echte Herausforderung ist) und dazu, einigermaßen auf den Punkt zu kommen. Und drittens weiß ich hinterher relativ genau, mit wem ich gerne weiter reden möchte – und mit wem auf gar keinen Fall.