Freunde, enge Freunde, liebste Freunde, Bekannte, Kreise…

Wenn ich ganz ehrlich sein soll, hat das, was alle von Anfang an toll fanden, mich davon abgehalten, bei Google+ mitzumachen. Genau, die Circles. Von den ganzen Netz-Afficionados und Digital Natives als bahnbrechende Errungenschaft gefeiert, habe ich mich einfach nur – überfordert gefühlt. Klar hat man sich bei facebook über den Begriff „Freund“ mokiert und gelästert, aber, mal ehrlich: es war (und ist) eine einfache Währung, in der man sein social Networking gehandelt hat. Und ist nicht Einfachheit meistens der erfolgskritische Schlüssel zum Handeln? Je mehr ich darüber nachdenken muss, wie ich meine Freundschaftsbegriffe aus meiner lokalen und physischen Lebenswirklichkeit in die Welt der sozialen Netzwerke übertrage, desto weniger „Spass“ macht das Ganze. Und, was noch schwerer wiegt: Es kann gar nicht funktionieren. Die Dynamik von Beziehungen wird durch Ordnungsstrukturen und Systematisierungen einfach nicht befördert; das gilt auch ausserhalb des Netzes. Und wenn ich wirklich Sehnsucht nach Privatsphäre habe, gibt es den Chat, die persönliche Nachricht und geschlossene Gruppen. Und ausserdem bin ich mir ziemlich sicher, dass echte Privatsphäre und Internet sich nicht doch irgendwie gegenseitig ausschließen. Was hilft, ist letztlich ein Bewußtsein für die jeweilige Öffentlichkeit zu entwickeln und die Verantwortung für die eigenen Beiträge und ihre Folgen wirklich zu übernehmen.