Work-Life Balance und Burnout – eine verhängnisvolle Affäre.

Nie war die Zahl der psychosomatischen Erkrankungen und Burnouts höher als heute und sie steigt weiter. Gleichzeitig ist das Streben nach – und die entsprechenden Angebote zu – dem Erreichen einer sogenannten Work-Life-Balance einer der aktuellen Trends im Gesundheits- und Lifestylemarkt. Und es klingt ja auch erstmal logisch: Eine ausgeglichene Bilanz zwischen Arbeits- und Freizeit ist doch eine wesentliche Voraussetzung dafür, einen Burnout zu verhindern, oder? Ich habe da so meine Zweifel. Wer Arbeit (Work) und Leben (Life) in zwei unterschiedliche Waagschalen wirft, was man ja tun muss, um zu einer Balance zwischen beidem zu kommen, läuft meines Erachtens in zwei Fallen: erstens entkoppelt er zwei wesentliche, sich gegenseitig bedingende und zunehmend miteinander verwobene Kernbereiche menschlichen Daseins und stellt sie in eine konkurrenzierende entweder / oder Beziehung. Zweitens ignorert er den viel entscheidenderen Burnout-Verursacher Entfremdung. Wir wissen eigentlich alle, dass sich viel Arbeit, die man gerne tut, nach weniger anfühlt als wenig Arbeit, die man hasst oder zu der man keinen inneren Bezug hat. Heißt: Wenn einem Sinn und Zusammenhang beim eigenen Tun abhanden kommen, fühlt sich die uns auferlegte Tätigkeit schnell belanglos und irgendwann unerträglich an.

Keine ganz neue Erkenntnis, folgt man Lao Tse, der dereinst konstatierte, „Wenn Du liebst, was Du tust, musst Du nie wieder arbeiten“. Was brauchts also heute, um den allgegenwärtigen Burnouts entgegen zu wirken? Sinn, Teilhabe und wertschätzende Beziehungen. Und zwar sowohl im Job, als auch privat. Falls man die Unterscheidung noch treffen möchte.

Weihnachten ist sicherlich ein guter Zeitpunkt, die Sinnfrage mal wieder für sich aufzumachen, zur Ruhe zu kommen und seinen eigenen Wert neu zu erkennen.