Warum wir Trump (und all die anderen) irgendwie verdient haben

Zeit, sich in der politisch korrekten Empörungsecke mal wieder unbeliebt zu machen. Finde ich. Nichts ist zur Zeit einfacher, als sich über den neuen amerikanischen Präsidenten aufzuregen. Oder lustig zu machen. Oder komplett die Fassung zu verlieren. Und nicht nur über den. Es gibt ja um die Ecke am Bosporus noch den Sultan Recep Tayip und weiter östlich den Zar Vladimir. Ach ja, und die anderen Herrschaften: Orban, Le Pen, Wilders, Farrage, Kaczinsky und wie sie noch alle heißen. Man vergisst glatt die traditionellen Krisenherde der letzten Jahrzenhnte. Irgendwo muss da ein Nest sein – es kann einem Angst und Bange werden. Wirklich.  Da hilft auch die gute Nachricht nicht viel, dass sich die AfD im eigenen Haus gerade selbst zerlegt und mit etwas gutem Willen bis September noch die Fünfprozenthürde durchbricht. Von oben. Weiterlesen

Alle Jahre wieder

Es ist wieder soweit. Weihnachten steht vor der Tür (und zwar vor jeder, die man aufmacht, ob man will oder nicht). Im Radio laufen die gesammelten Tiefpunkte des Schaffens ansonsten von mir sehr respektierter Künstler – Paul Mc Cartney, Bryan Adams, und wie sie alle sonst noch so heißen. Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich wirklich wissen will, wer sich alles hat hinreißen lassen, sämtliche guten Vorsätze seines musikalischen Schaffens in die Tonne zu treten, um endlich auch einen Weihnachtshit zu haben. Da fällt mir auf, wenn man dieses Wort genau liest, sieht man, das da auch der Wortbestandteil shit drinsteckt – interessanter Zufall. Oder doch programmatisch? Egal, ich mache mir Sorgen. Und zwar um mich. Je mehr Bells jingeln, je whiter das Chrtistmas und je penetranter die Triangeln zum Geklapper der Rentierhufe schallen und sich das Ganze dann noch mit dem penetranten, allgegenwärtigen Geruch von Zimt, Lebkuchen und Glühwein vermischt, desto mehr verdichten sich in mir Gewaltfantasien von in Massen gemordeten Rentieren, auf deren gigantischem Grab sich ein mittelgebirgsformatiger Haufen von Schlitten, roten Pappnasen und Glöckchen auftürmt. Drum herum steht eine 5-stellige Armee von Weihnachtsmännern, die sich an den Bärten festhalten. Das Ganze wird dann in glühweinfarbenen Kunstharz gegossen als ewiges Mahnmal des schlechten Geschmacks, als Pilgerort für Ruhesuchende – als ein Ort, wo das akustische Weihnachten für immer verstummt ist.

Das Leben ist schön.

Neulich hatte ich mit meinem Sohn (20 Jahre alt) ein schönes abendliches Vater-Sohn Gespräch. wir saßen zusammen beim Spanier, haben Tapas, Brot und Aioli gegessen und über das Leben gesprochen.

Ein Satz von ihm, der mich besonders berührt und nachdenklich gemacht hat, war: „Weißt Du, was ich total geil finde? Das Leben, die Menschen, die Zusammenhänge zwischen den Dingen – das alles ist so unfassbar komplex und miteinander verwoben, das flasht mich total! Ich kann gar nicht genug davon kriegen.“
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Warum Schweden Europameister wird

Lange nichts mehr über Fußball geschrieben; liegt wahrscheinlich daran, dass für mich als Bayern Fan (ja, is ja gut, ich steh dazu) die letzten Wochen nur bedingt lustig waren. Aber jetzt kommt ja die EM in Polen. Und in der Ukraine. Oops, da war doch was – irgendwas mit Menschenrechten und Demokratie. Na ja, Michel Platini hat es klar formuliert: Wir machen Fußball und keine Politik. Weiterlesen

Frühlingsgefühle

Die Älteren unter uns werden sich erinnern: Frühling, das ist die Jahreszeit, in der die Temperaturen steigen, die Farbe Grün in der Natur allmählich wieder eine gewisse Dominanz gewinnt, die Vögel wieder zwitschern und hartgesottene Deutschländer zum angrillen blasen. Dazu passend hatte es in der Regel einen Sommer, einen Herbst und einen Winter, jeweils zu erkennen an entsprechenden Temperaturen, Witterungsbedingungen und Farbgebungen (klassisch gold für Sommer, rot für Herbst und weiß für Winter).
Seit einiger Zeit ist die Erkennbarkeit der Jahreszeiten ohne einen Blick auf den Kalender nicht mehr so eindeutig möglich. Weiterlesen

Ein paar Gedanken zum Thema Integration

Nein, ich möchte hier nicht Thilo S. und seine verquasten Thesen wieder aufwärmen. Ich möchte auch nicht der Frage nachspüren, wieviele unserer migrationshintergründigen Mitbürger nun tatsächlich integrationswillig sind oder nicht. Mich interessiert auch nicht, ob die Piraten regierungsfähig sind. Oder ob Occupy ein gemeinsames inhaltliches Ziel hat oder nicht. Oder, oder, … Weil all diese Fragen insofern falsche Fragen sind, als der Streit darüber letztlich verhindert, endlich darüber zu reden, warum unsere Gesellschaft seit Jahren in zunehmendem Maße Parallelgesellschaften produziert. Weiterlesen

Von Problemen und Lösungen

Wir kennen das Gefühl alle: Da ist ein Problem und wir wissen genau, da müssen wir ran. Wir analysieren, schieben auf, denken noch ein bißchen weiter darüber nach. Wir stellen fest, das Problem ist erstens hartnäckig und zweitens nicht allein. Es hat quasi Familie: Eltern, Geschwister, Kinder. Als wir unser Problem entdeckt hatten, war es relativ überschaubar, inzwischen hat es ordentlich an Bedeutung zugelegt und bei genauer Betrachtung hat die ganze Problemfamilie durchaus das Zeug zu einer existenziellen Bedrohung. Weiterlesen

Occupy

Wie sagte der von mir hochgeschätzte Herr Gauck neulich noch gleich?
Die Occupy Bewegung sei eine Bewegung von unglaublicher Albernheit. Aha. Lieber Herr Gauck. Kann es sein, dass Sie hier etwas wichtiges übersehen haben? Sicherlich kann man darüber streiten, ob dieser unsortierte, über den ganzen Globus verstreute Haufen inhaltlich substantielles oder gar konsistentes zu bieten hat. Weiterlesen

Freunde, enge Freunde, liebste Freunde, Bekannte, Kreise…

Wenn ich ganz ehrlich sein soll, hat das, was alle von Anfang an toll fanden, mich davon abgehalten, bei Google+ mitzumachen. Genau, die Circles. Von den ganzen Netz-Afficionados und Digital Natives als bahnbrechende Errungenschaft gefeiert, habe ich mich einfach nur – überfordert gefühlt. Klar hat man sich bei facebook über den Begriff „Freund“ mokiert und gelästert, aber, mal ehrlich: es war (und ist) eine einfache Währung, in der man sein social Networking gehandelt hat. Weiterlesen

Dickschiffe und Piraten

Viele wundern sich zur Zeit über den geradezu atemberaubenden Erfolg der Piratenpartei. Ich nicht. Ich verstehe, ehrlich gesagt, nicht so ganz, wie man diese Bewegung, denn das ist es mehr noch als eine Partei, so großartig unterschätzen kann. Für mich sind die Piraten – bitte nicht schlagen – der zeitgemäße Ersatz für eine gänzlich überflüssig gewordene FDP. Weiterlesen